Wir nehmen überwiegend an Oldtimer-Rallyes im südbayerischen Raum teil.

Wobei man streng genommen den Begriff Rallye diesbezüglich nicht verwenden dürfte. Denn bei den Veranstaltungen die wir unter die Räder nehmen geht es nicht um die Erzielung von Höchstgeschwindigkeiten, sondern um das genaue Durchfahren von Lichtschranken. Daher trifft es der Begriff „Gleichmäßigkeitsfahrt“ besser – schreibt sich aber nicht so einfach wie Rallye – drum bleib ich lieber bei diesem Namen.

 

In diesem Kapitel versuche ich mal, den grundsätzlichen Ablauf einer solchen Veranstaltung darzustellen. Grundsätzlich daher, da die Veranstalter ihre Rallye in einem gewissen Rahmen selbst gestalten können.
Welche Aufgaben die Teilnehmer während der Rallye bewältigen müssen, ist in der Ausschreibung der Veranstaltung beschrieben. Diese steht auf der Internetseite des Ausrichters zur Verfügung.

 

Anmeldung

Vor dem eigentlichen Start muss man sich zu der Rallye anmelden.
Dies erfolgt durch die sogenannte Nennung. Im Nennungsformular (wird vom Veranstalter auf dessen Homepage gestellt) werden persönliche Daten des Fahrers und des Beifahrers sowie technische Daten des Oldtimers abgefragt.
Nach Abgabe der Nennung und Überweisung des Nenngeldes an den Veranstalter erhält man von diesem die Nennungsbestätigung – also die Berechtigung an der Rallye teilzunehmen.

 

Vor dem Start
Bevor die Rallye am Veranstaltungstag endgültig unter die Räder genommen werden kann, steht noch die Dokumenten- und technische Abnahme an.
Bei der Dokumentenabnahme sind dem Veranstalter der Führerschein des Fahrers und der Fahrzeugschein vorzulegen.
Danach erhält man die Rallyeschilder, Aufkleber mit der entsprechenden Startnummer, Roadbook und Bordkarte(n).
Nach dem (zwingenden) Anbringen der Rallyeschilder und der Startnummern geht es zur technischen Abnahme. Bei dieser wird u.a. die Fahrzeugbeleuchtung und die Profiltiefe der Reifen geprüft. Wird bei der technischen Abnahme festgestellt, dass der Oldtimer nicht der StVZO entspricht, ist keine Teilnahme an der Rallye möglich.

 

Start
Der Start der Rallyeteilnehmer erfolgt in der Reihenfolge der Startnummer. Als erstes startet das Fahrzeug mit der niedrigsten Nummer.
Die Fahrzeuge werden in der Regel im Minutenabstand gestartet. Bei einem Rallyestart um 9:00 Uhr startet somit das Fahrzeug mit der Startnummer 15 um 9:14 Uhr.

 

Roadbook
Im Roadbook sind die Streckenführung der Rallye, Kontrollstellen (Durchfahrts- und Zeitkontrollen) und die Wertungsprüfungen (auch Gleichmässigkeitsprüfungen genannt) beschrieben.
Bei einer Rallye werden etliche Kilometer zurückgelegt. Daher ist es naheliegend, dass die Wegbeschreibung nicht in Prosa erfolgen kann, sondern möglichst kompakt dargestellt werden muss.
Hierfür verwendet man die sog. „Chinesenzeichen“ (geben die Fahrtrichtung vor) und eine Kilometrierung (gibt die Entfernung an).
Die Chinesenzeichen geben die Fahrtrichtung immer vom Punkt zum Pfeil an. Werden Chinesenzeichen ohne Punkt verwendet, kommt man immer von unten und fährt dann in der angegebenen Richtung weiter.

Im nebenstehenden Beispiel führt die Route nach dem Start und einer Fahrstrecke von einem Kilometer am Vorfahrtachtenzeichen nach links.
Nach dem Linksabbiegen geht es nach 890 Metern nach rechts in Richtung der Ortschaft „Muster“.

 

Nach 2,53 gefahrenen Kilometern ist im nebenstehenden Beispiel die erste Schnittkontrolle (SK) erreicht. Die Lichtschranke (bzw. der Schlauch) ist exakt nach 6,25 Minuten zu durch- bzw. überfahren. Details hierzu unter der Überschrift „Wertungsprüfungen".

 

Durchfahrtskontrollen
Die Einhaltung der vom Roadbook vorgegebenen Route wird vom Veranstalter mittels Durchfahrtskontrollen (DK) geprüft.

Die Kontrollstelle wird durch das Schild „Stempel auf gelbem Grund“ angekündigt. Die eigentliche DK ist mit dem Schild „Stempel auf rotem Grund“ gekennzeichnet. An der DK muss dem Offiziellen die Bordkarte (s.u.) übergeben werden.

Dieser bestätigt in dem dafür vorgesehenen Feld die ordnungsgemäße Durchfahrt.
Achtung!!!

Das Auslassen oder Anfahren einer Durchfahrtskontrolle aus falscher Richtung wird vom Veranstalter mit einer Zeitstrafe geahndet.

 

Zeitkontrollen

An den Zeitkontrollen (ZK) wird die Einhaltung der vom Veranstalter vorgegebenen Zeiten kontrolliert. Diese vorgegebenen Sollzeiten sind (in der Regel) aus der am Start erhaltenen Bordkarte ersichtlich.

Hinweis:
Das Beispiel zeigt eine Bordkarte am Ende der ersten Etappe – also nachdem die zuständigen Sportwarte die Zeiten in die entsprechenden (grauen) Felder eingetragen haben. Einträge in die Bordkarte durch das Team sind nicht zulässig und werden in der Regel mit Wertungsausschluss bestraft!

In dem nebenstehenden Beispiel stehen nach dem Start (=ZK 0) bis zum Erreichen der ersten Zeitkontrolle (=ZK 1) 10 Minuten zur Verfügung.

Da der Sportwart in der Bordkarte die Minute einträgt, in dem ihm diese vom Fahrer oder Beifahrer übergeben wird, darf die Bordkarte erst in der richtigen Minute überreicht werden. D.h. bei unserem Beispiel muss die Bordkarte bei der ZK1 in der Zeit von 9:24:00 bis 9:24:59 übergeben werden. Maßgeblich für die Zeitnahme sind die vom Veranstalter eingesetzten funkgesteuerten Uhren.

Abweichungen zu den Sollzeiten (zu früh oder zu spät), Auslassen oder das Anfahren von Zeitkontrollen aus falscher Richtung werden mit Strafzeiten belegt.

Ausnahme:
In der Regel ist am Ende einer Etappe oder bei der Ziel-ZK „Vorzeit erlaubt“. Ein entsprechender Vermerk ist entweder im Roadbook oder auf der Bordkarte angebracht.
In diesen Fällen kann straffrei die Bordkarte auch zu früh (nicht aber zu spät) abgeben werden.

Der Beginn einer Zeitkontrollzone wird durch ein Schild „Uhr auf gelbem Grund“ gekennzeichnet. Der Standort des Sportwartes, an dem die Bordkarte zu übergeben ist, wird mit dem Schild „Uhr auf rotem Grund“ markiert.

Bei der Übergabe der Bordkarte an den Sportwart müssen sich Fahrzeug, Fahrer und Beifahrer innerhalb der Kontrollzone (also zwischen „gelben“ und „roten“ Schild) befinden.

In die Kontrollzone darf frühestens eine Minute vor der Sollzeit eingefahren werden (in unserem Beispiel bei der ZK 1 also frühestens um 9:23:00). Die entsprechende Zeit muss vor dem Schild „Uhr auf gelbem Grund“ abgewartet werden.

 

Wertungsprüfungen (WP)
Das Herzstück aller Oldtimerrallyes sind die Wertungsprüfungen - auch Gleichmäßigkeitsprüfungen genannt.
In den Prüfungen müssen die dort aufgebauten Lichtschranken oder Schläuche zu der vorgegebenen Zeit exakt durch- bzw. überfahren werden. Die Abweichungen zur vorgegebenen Zeit werden in 1/10 oder sogar 1/100 Sekunden gemessen.

Am Start wird die Startzeit für die Wertungsprüfung vom Sportwart in die Bordkarte eingetragen.
Der Start zur eingetragenen Zeit erfolgt entweder durch den Sportwart (dieser zählt dem Team 10 Sekunden vor der Startzeit die noch verbleibenden Sekunden rückwärts vor) oder
selbständig durch Ablesen der Startzeit auf der neben dem Start stehenden Funkuhr.
Achtung!!!
Frühstarts werden mit Strafsekunden geahndet.

Startzeit plus der im Roadbook vorgegebenen Zeit ergibt die Durchfahrtszeit für die Lichtschranke bzw. dem Schlauch. Daher ist es wichtig, dass der Beifahrer exakt zu der bestimmten Startzeit auch die Stoppuhr(en) startet.

Das Ziel (Lichtschranke oder Schlauch) wird mit dem Schild „karierte Flagge auf gelben Grund“ angekündigt. Die Lichtschranke oder der Schlauch befindet sich 20 - 1000 m hinter dem gelben Schild und werden durch das Symbol “Karierte Flagge auf rotem Grund” gekennzeichnet.
Zwischen dem Schild mit dem gelben und dem roten Hintergrund darf nicht mehr angehalten werden, d.h. der Zielbereich muss fliegend durchfahren werden – was natürlich die Einhaltung der genauen Durchfahrtszeit an der Lichtschranke/Schlauch nicht gerade erleichtert :-)
Der Zielbereich wird durch Sportwarte überwacht, die Verstöße gegen das Anhalteverbot im Zielbereich mit Strafsekunden ahnden!

Anhand der oben dargestellten Bordkarte und dem Roadbook hier mal ein Beispiel über den Ablauf einer WP:
9:36:00:00 Uhr = Startzeit zur WP2
9:42:25:00 Uhr = Zielzeit für Lichtschranke SK1 (Startzeit plus vorgegebene                           Fahrzeit von 6:25 Minuten)

Jede Abweichung zur Sollzeit (9:42:25) ergibt Strafsekunden:
a) gefahrene Zielzeit: 9:42:24:50 = 0,10 Strafsekunden
b) gefahrene Zielzeit: 9:42:25:20 = 0,20 Strafsekunden

 

Wertung
Und wer ist jetzt der Gewinner einer Oldtimerrallye?
Ganz einfach – das Team mit den wenigsten Strafsekunden wird am Ende der Veranstaltung als Sieger gekürt.
Neben den Gesamtsiegern werden bei den meisten Rallyes noch die besten Teams ihrer Klasse und/oder Kategorie gekürt.
Bei der Klasseneinteilung gibt es unterschiedliche Kriterien (z.B. Baujahr oder PS).
In der Kategorie wird i.d.R. nach den verwendeten Stoppuhren unterschieden. Hier gibt es die Sanduhren- und die Elektronikklasse.
In der Sanduhrenklasse sind alle Arten von Uhren/Stoppuhren mit Analog- und Digitalanzeige ohne weitere Funktionen und Bedienungselementen zugelassen. Nicht zugelassen sind signalgebende und/oder programmierbare Uhren.
In der Elektronikklasse gibt keine Einschränkung der zugelassenen Uhren und Geräte.

 

Fazit
Hört sich alles viel schwerer an als es in Wirklichkeit ist!
Also einfach mal bei einer Veranstaltung anmelden, ganz relaxt die Sache angehen und viel Spaß bei der Rallye haben.
Eins noch zum Schluss. Denkt bitte immer daran – im Rallyeauto sitzt das Gehirn rechts; außer bei linksgesteuerten Autos.