Nach einiger Bedenkzeit und noch längerer Ansparphase entschied sich mein Opa Anfang der 60iger Jahre die sechsköpfige Familie zu erweitern.
Nach einer Vorauszahlung von 11.720 Mark an den Geburtshelfer (Mercedes-Händler) stand dem geplanten Familienzuwachs nichts mehr im Wege.
Nach 24 Monaten (!) Wartezeit war es dann im Oktober 1963 soweit. Die kleine Heckflosse erblickte das Licht der Welt.
Hier ein Auszug aus der Geburtsurkunde:
Name: 190 Dc
Größe: 4730 mm, 1795 mm, 1495 mm (L,B,H)
Gewicht: 1300 kg
Lieblingsspeise: Diesel
Stärke: 55 PS
Hubraum: 1974 ccm
Beschleinigung: 0 auf 100 km/h in 29 Sekunden
Farbe: Schwarz
Besonderes: Radio, elfenbeinfarbenes Lenkrad, durchgehende Sitzbank vorne, rote
Lederausstattung, Nebelscheinwerfer und Doppelstossstangen
vom
„grossen Bruder“.
Am 11.10.1963 wurde das Fahrzeug von meinem Opa dann ordnungsgemäß zugelassen und verbringt seitdem ein entspanntes, (fast) krankheits- und gänzlich unfallfreies Autodasein.
Nach dem Tod meines Opas wurde die Flosse dann von meinem Vater und nach dessen Tod von mir adoptiert. Nach der Adoption wurde mir schnell klar, dass das bisherige geruhsame (Auto-)Leben so nicht weitergehen konnte.
Schnell war die Entscheidung getroffen mit der Heckflosse an Oldtimer-Rallyes teilzunehmen. Bevor jedoch die ersten Veranstaltungen unter die Räder genommen wurden, musste der Oldi noch technisch aufgerüstet werden.
Hierfür spendierten wir der Heckflosse das erforderliche Zubehör in Form von zwei Stoppuhren, Funkuhr, Leselampe und einem Tripmaster (Wegstreckenzähler).
Damit die Verwandlung der Heckflosse in ein einsatzbereites Rallyeauto schnell und ohne grossen Aufwand erfolgt, hat mein Beifahrer ein spezielles Dashboard konstruiert und gebaut.
Das Board wird in den Schacht des Handschuhfachs geschoben und mit einem Stecker an die "Bordelektronik" (Strom und Tachowelle) angeschlossen.
Der Rallye-Benz ist dank dieser genialen Konstruktion mit zwei Handgriffen einsatzbereit - ok, die Leselampe muss in einem dritten Schritt noch in den Zigarettenanzünder gesteckt werden, aber nicht jede Oldtimer-Rallye beinhaltet Nachtetappen ;-)
Seit 2007 starten wir nun regelmäßig bei Oldtimer-Rallyes (Einzelheiten siehe Register „Oldtimer-Rallye“).
Auch hier zeigt der Mercedes seine Zuverlässigkeit. Wir sind bisher erst einmal (defekte Lichtmaschine) mit einem technischen Defekt ausgefallen! Und das, obwohl bei mancher Veranstaltung Mensch und Maschine an Ihre Leistungsgrenzen stossen - wie auch mein Beifahrer 2010 schmerzlich erfahren musste (siehe letzten Satz im folgenden Zeitungs-bericht).
Aber keine Sorge, die Sache blieb ohne Folgeschäden - außer, dass mein Beifahrer die Geschichte natürlich seitdem mehrmals im Jahr zu hören bekommt :-)
Aber trotzdem ist er noch mit vollen Einsatz bei jeder Rallye dabei - tja Unkraut vergeht nicht.